WAZ: Bühne frei für die Technik

Gelsenkirchen. Manche Dinge, manche Themen liegen so weit außerhalb des eigenen
Erfahrungs- und Wahrnehmungsbereiches, dass man wohl nie im Leben daran denken würde.
Umso wichtiger ist es, dass sich andere gründlich Gedanken darüber machen.
Nehmen wir zum Beispiel HDTV, die TV-Technik der hochauflösenden Bilder: Mit dem geeigneten
Receiver, dem passenden Rekorder, mit dem HDTV- kompatiblen Flachbildschirm ist es längst nicht
getan. Auch nicht mit der Hightec-Kamera.
Die neue Technik-Ära bringt eine ganze Menge neuer „High definition“-Anforderungen zum Beispiel
an Maske und Kostüm mit sich. Stoff ist nicht länger gleich Stoff, Schminke nicht länger gleich
Schminke. Die neue Technik verlangt deutlich mehr, verzeiht entschieden weniger. Und Schludern
war gestern.
„Neue Anforderungen an Maske, Kostüm und Dekoration im Zeitalter von HDTV“ hieß folglich einer
der zahlreichen, von Experten geleiteten Workshops im Rahmen der bis heute dauernden 55.
Bühnentechnischen Tagung der Deutschen Theatertechnischen Gesellschaft (DTHG) im
Wissenschaftspark.
48 Jahre nach dem bislang einzigen Fachkongress in
Gelsenkirchen (seinerzeit im Stadttheater) ist die seit 1907
existierende Gesellschaft wieder in die Stadt gekommen. Die
Tagung, und eine damit verbundene Ausstellung/Fachmesse
von über 80 Firmen aus der vielseitigen Branche der
Veranstaltungstechnik, wird von dem Fachverband
ausdrücklich als Beitrag zum Gelsenkirchener
Kulturhauptstadtprogramm verstanden.
Dass dank der verkehrsgünstigen Lage im Herzen des
Reviers auch assoziierte Verbände aus Luxemburg, Belgien
und den Niederlanden vertreten sind, ist mehr als nur ein
schöner Nebeneffekt.
Die Gesellschaft wurde einst von Unternehmen und
technischen (Theater-)Leitern gegründet, um gemeinsam Qualitätsstandards festzulegen. Wie breit
gefächert der Themenbereich ist, wie fruchtbar auch die Notwendigkeit eines fortwährenden
Interessenausgleiches zwischen Herstellern und Anwendern, das zeigt im Wissenschaftspark ein
Rundgang durch die Aussteller-Kojen.
Elektro-Installationen, Bühnenhydraulik, feuerfeste Vorhänge und Maskenbildnereien (Death Culture),
BühnenboÅNden und Regalsysteme, Brandschutzausrüstungen und Computersteuerungen für die
Bühnenmaschinerie, Sound- und Licht-Anlagen... „Hier ist alles vertreten, was in der Branche Rang
und Namen hat“, sagt DTGG-GeschaÅNftsführer Hubert Eckart. Auch Gelsenkirchen ist prominent
vertreten: Mit Vaillant Wärmepumpen und der Firma Stage Systems, die u.a. die Tonanlagen im
Musiktheater und in der Oper Dortmund installiert hat. Wobei die Branche sich längst nicht mehr nur
auf die klassischen Bühnen konzentriert. „Jedes Autohaus“, meint Eckart, will heute bei einer
Neuwagen-Präsentation Glitzer, Nebel, Podeste etc. haben. Das meiste davon ist im und fürs Theater
erfunden worden. Was sich dort durchgesetzt hat, macht seinen Weg auch in anderen Bereichen.“